Paulette

Und dann kam Paulette von Barbara Constantine

Seit einigen Monaten schon lebt der ältere Ferdinand alleine auf seinem großen Hof, nachdem sein Sohn samt Frau und den beiden Enkelsöhnen Lucien und Ludovic ausgezogen ist. Niemals würde Ferdinand es laut zugeben, doch die Einsamkeit setzt ihm mächtig zu. Vor allem seine kleinen Enkel, die »LuLus«, vermisst er furchtbar. So bleibt ihm also nichts übrig, als sich des öfteren in die Bar gegenüber der Schule zu setzen und dort ganz unauffällig etwas zu trinken, während er eigentlich sehnlichst den Schulschluss erwartet, um die beiden Kleinen zu sehen. Eines Tages kommt er auf dem Heimweg von der Bar mit seiner Nachbarin Marceline ins Gespräch, die er bis dahin immer nur freundlich gegrüßt hat.

Ein paar Tage später gibt es ein furchtbares Unwetter, und Ferdinand bemerkt auf seinem täglichen Weg, dass bei Marceline das Dach komplett undicht ist. Nach dem ersten Impuls, sich einfach um seine eigenen Sachen zu kümmern, besinnt er sich doch eines Besseren und verfrachtet die total überraschte Marceline kurzerhand mitsamt ihren wenigen noch trockenen Habseligkeiten und ihren Tieren auf seinen Hof. Bis bei Marceline das Dach gerichtet ist, wird sie bei ihm wohnen müssen – und das kann dauern, denn Marceline hat kaum Geld. Kurze Zeit darauf stirbt eine gemeinsame gute Freundin der beiden und hinterlässt einen trauernden Mann, der einfach nicht mit der neuen Situation zurecht kommt. So beratschlagen sich also Ferdinand und Marceline und finden, dass für eine Person mehr auch noch ausreichend Platz wäre auf dem Hof. Und so geht die Geschichte weiter. Zu den etwas älteren Leuten kommen noch zwei richtig alte Damen und zwei junge Schüler bzw. Studenten hinzu…

Es ist herrlich zu lesen, wer welche Marotten mit auf den Hof bringt und wie sich immer wieder alle zusammenraufen müssen. Dieser Wohlfühlroman aus Frankreich in der Tradition von Anna Gavaldas »Zusammen ist man weniger allein« ist auf jeden Fall eine schöne, kurzweilige Unterhaltung. Es werden durchaus auch Probleme angesprochen (beispielsweise geht die Ehe von Ferdinands Sohn in die Brüche, und eine der sehr alten Damen wird auf einmal zum Pfl egefall), doch nur kurz. Dieses Buch hat mit Sicherheit nicht die Ambition, wirklich eine Debatte anzustoßen über das Th ema Leben im Alter oder Wohngemeinschaft versus Familienclan. Es ist einfach gedacht als schöne Geschichte, die man immer wieder mit einem Schmunzeln lesen kann und nach deren Lektüre man die ganze Welt ein bisschen positiver sieht. Und das ist wirklich gut gelungen! JR

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