NORBERT SCHEUER Die Sprache der Vögel

Die Sprache der Vögel von Norbert Scheuer

Im Jahr 2003 meldet sich der 23 jährige Obergefreite Paul Arimondaus dem kleinen Städtchen Kall in der Eifel freiwillig zum Sanitätsdienst in Afghanistan.Der passionierte Vogelliebhaber hofft, in dem fernen Land vor allemneue Arten zu entdecken und zu beobachten, von denen ein Vorfahrin seinen Reisenotizenaus den 1780er Jahren berichtet. Diesen Anscheinerwecken zumindest vordergründig die mitschönen Vogelzeichnungen ergänzten Einträge aus Pauls Tagebuch, die den größten Teil dieses Romans einnehmen.Tatsächlich erschließt sich aus den sparsamen, fast beiläufigen Berichten über den Alltag im Bundeswehrlageraber ein sehr vielschichtiges Bild sowohl des Militäreinsatzes an sich als auch der Beweggründedes jungen Mannes, sich zu diesem Einsatz zu melden: Paul hat nach einem Autounfall, bei dem sein besterFreund schwer verletzt wurde, vollkommen die Orientierung in seinem Leben verloren. Nun versucht er, aus der Ferne einen veränderten Blick auf die Ereignisse zu finden und sie irgendwie zu verarbeiten.Seine Vogelbeobachtungen bieten ihm dabei gleichzeitig Ablenkung, eine Verbindung zu seinem»alten« Leben und ein Ziel, mit dem er auch den ödesten Lagertagen einen Sinn geben kann. Trotzdem bleiben das Heimweh, die Unerreichbarkeit der Angehörigen und natürlich die traumatisierenden Kriegserlebnisse, die im Text nur ganz nüchtern,knapp und wie nebenbei erwähnt werden.Norbert Scheuer gelingt es mit einem sprachlich wunderschönen und doch schlichten, eher beiläufig wirkenden Text eine tiefe Wirkung zu erzielen. Dieses Buch wirft eine ganze Reihe von Fragen auf und bietet zwischen den Zeilen unglaublich viel Platz zum Nachdenken, ohne seinen Lesern jedoch eine Wertung aufzudrängen. Damit ist »Die Sprache der Vögel« für mich ein ganz besonderer, vielleicht sogar zeitloser Roman zu einem höchst aktuellen Thema. IR

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